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CED am Arbeitsplatz

Die meiste Zeit des Alltags verbringen viele von uns am Arbeitsplatz. Es ist für viele von uns selbstverständlich, jeden Tag einem Beruf nachzugehen. Doch was tun, wenn einem dabei Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn plötzlich im Wege stehen oder unsere Karriere sogar gefährden? Eine CED stellt uns im Berufsleben vor einige Herausforderungen.

Wie gestalte ich meinen Arbeitsalltag rund um meine CED?

Wie löse ich das Problem mit dem ständigen Gang aufs WC oder das plötzliche Auftreten von Blähungen? Kann ich meinen Job aufgrund der ständigen Ausfälle überhaupt bewerkstelligen oder soll ich mich beruflich verändern? Soll ich es meinem Chef sagen? Wie werden meine Arbeitskollegen darauf reagieren? Muss ich um meinen Job oder gar meine Existenz fürchten? Habe ich die Möglichkeit, nach einer längeren beruflichen Auszeit wieder in meinen Job einzusteigen? Auch wenn es durch deine CED zu diversen Einschränkungen kommt, gibt es eine Menge Möglichkeiten, mit einer CED im Berufsleben zu bleiben. Die folgenden Ratschläge sollen dir dabei helfen, Klarheit über die Fragen rund um CED und den Beruf zu schaffen.

1) Offener Umgang mit CED im Beruf – ja oder nein?

Die Entscheidung, wie du mit deiner Erkrankung in deinem Arbeitsumfeld umgehst, musst du selbst treffen. Du bist rechtlich nicht dazu verpflichtet, deine CED zu melden bzw. offen anzusprechen, dennoch sprechen einige Argumente für den offenen Umgang mit deiner Erkrankung. Mit dem Ansprechen deiner Erkrankung nimmst du dir einiges an Ballast, denn das ständige Verbergen deiner CED am Arbeitsplatz kann durchaus anstrengend sein und somit einen permanenten Stressfaktor darstellen. Ständige Fehlzeiten aufgrund von Arztbesuchen oder häufigere und oft auch längere Krankenstände aufgrund der Entzündungsschübe sind bei vielen CED-Betroffenen nicht zu vermeiden. Das kann unter den Kollegen schon mal für Unruhe sorgen. Durch den offenen Umgang mit deiner Erkrankung kannst du möglichen Missverständnissen entgegenwirken, was sich wiederum positiv auf das Arbeitsklima auswirken kann.

Eine wichtige Voraussetzung für die Offenheit am Arbeitsplatz ist allerdings ein gutes und kollegiales Arbeitsklima. Es kann natürlich auch passieren, dass nicht jeder Vorgesetzte oder Arbeitskollege Verständnis für eine chronische Erkrankung hat. Steht beispielsweise eine Beförderung an, kann es passieren, dass dir dabei Steine in den Weg gelegt werden. Versuche also auch die negativen Folgen vorab so gut und realistisch wie möglich einzuschätzen, bevor du deine CED am Arbeitsplatz zur Sprache bringst.

Durch den offenen Umgang mit deiner Erkrankung kannst du möglichen Missverständnissen entgegenwirken, was sich wiederum positiv auf das Arbeitsklima auswirken kann.

HIER erfährst du mehr über deine Strategie im Umgang mit CED!

2) Die geeignete Berufswahl bei CED

Die Wahl des Berufes ist für jeden Menschen ein wegweisender und wichtiger Schritt für seine Lebensgestaltung. Die Entscheidung sollte daher nicht ausschließlich von der Diagnose Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa abhängig gemacht werden. Für dein persönliches Wohlbefinden kann die Wahl des Berufes einen wesentlichen Faktor darstellen. Denn schließlich verbringst du den Großteil des Tages im Job. Demnach solltest du darauf achten, dass du deinen Job auch mit einer gewissen Leidenschaft machst. Denn wer sich in seiner beruflichen Position richtig aufgehoben fühlt, der bekommt mehr als nur das monatliche Gehalt. Der Beruf gibt dir Selbstvertrauen und hilft, die Hürden des Alltags mit CED zu überwinden. Er verleiht jedem Tag Struktur und lenkt von den möglichen Beschwerden ab. Lasse dich also von deiner Erkrankung nicht einschüchtern, sondern gehe deinen beruflichen Weg!

Es gibt natürlich Berufe, die sich besonders gut mit einer CED vereinbaren lassen, andere wiederum eigenen sich weniger. Kreative Berufe, wie z. B. Online-Redakteur, Grafiker, Web-Designer, oder IT-Berufe, wie z. B. Programmierer, sind oft ohne Einschränkungen von Zuhause aus durchführbar. In diesen Berufen kommt es auch selten zu Reisetätigkeiten oder Schichtdiensten. Das Gleiche gilt für Jobs in der Verwaltungsbranche oder im kaufmännischen Bereich.

CED am Arbeitsplatz: Die geeignete Berufswahl bei CED

Auch wenn es durch deine CED zu diversen Einschränkungen kommt, gibt es eine Menge Möglichkeiten, mit einer CED im Berufsleben zu bleiben.

3) Selbstständigkeit als Alternative?

Auch die Selbstständigkeit kann eine Möglichkeit sein, dich selbst zu verwirklichen und dabei viele Vorzüge zu genießen: ein selbstbestimmtes Leben und an den Gesundheitszustand angepasste Arbeitszeiten. Dennoch solltest du dabei beachten, dass du in akuten Entzündungsphasen gewisse Aufträge nicht annehmen oder bearbeiten kannst. Sofern du hier finanziell nicht vorgesorgt hast, könnten dich solche Phasen zusätzlich belasten bzw. Stress auslösen. Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit solltest du diesen Risikofaktoren besondere Aufmerksamkeit schenken und sie in der Planung entsprechend berücksichtigen. Eine genaue Auflistung möglicher Vor- und Nachteile ist somit unverzichtbar, bevor du eine Entscheidung fällst.

Ob in Selbstständigkeit oder im Angestelltenverhältnis – wichtig ist, dass du ein für dich passendes Berufsmodell findest, das deinen Fähigkeiten entspricht und dir genügend Freiraum bietet, um bei aktiven Entzündungsphasen auch mal einen Gang zurückschalten zu können.

Die Selbstständigkeit kann eine Möglichkeit sein, dich selbst zu verwirklichen und dabei viele Vorzüge zu genießen: ein selbstbestimmtes Leben und an den Gesundheitszustand angepasste Arbeitszeiten.

4) Job und CED – so geht es leichter!

Es gibt einige Dinge, die das Arbeitsleben für dich vereinfachen können und die du bei der Berufswahl berücksichtigen oder im Bewerbungsgespräch ansprechen kannst.

Home-Office: Das Arbeiten von Zuhause aus bringt viele Vorteile mit sich. So muss man sich vor den Kollegen wegen des häufigen Toilettengangs nicht rechtfertigen. Zudem gibt es keine festen Arbeitszeiten, was den Umgang mit einem akuten Schub erleichtert.

Flexible Arbeitszeiten: Falls Home-Office mit deiner Arbeit nicht zu vereinbaren ist oder dein Vorgesetzter etwas dagegen hat, kann vielleicht ein flexibles Arbeitszeitmodell eine Option für dich und deinen Arbeitgeber sein. Dabei wird z. B. eine tägliche Kernarbeitszeit vereinbart, innerhalb dieser musst du dich am Arbeitsplatz befinden. Der Rest der täglichen Arbeitszeit lässt sich flexibel gestalten, indem du zu einem späteren Zeitpunkt z. B. von zu Hause aus weiterarbeitest.

Im Büro: Wenn sowohl flexible Arbeitszeiten als auch Home-Office für dich oder deinen Chef nicht infrage kommen, dann solltest du darauf achten, dass …

  • eine Toilette in der Nähe deines Arbeitsplatzes ist
  • Schichtarbeit oder lange Dienstzeiten nicht die Regel sind
  • Stress in deinem Job eine Ausnahme ist
  • wenig Reisetätigkeiten vonnöten sind

Es gibt einige Dinge, die das Arbeitsleben für dich vereinfachen können und die du bei der Berufswahl berücksichtigen oder im Bewerbungsgespräch ansprechen kannst.

5) Das Bewerbungsgespräch mit CED

In einer Bewerbungsphase ist es durchaus ratsam, deine CED nicht in den Mittelpunkt zu stellen. Konzentriere dich in diesen Gesprächen vor allem auf die Fähigkeiten und Stärken, die du für den Job mitbringst. Deine berufliche Erfahrung, deine Ausbildung, dein Fachwissen – all das sind Faktoren, die entscheidend und wichtig für den Job sind. Du brauchst dich grundsätzlich auch nicht vor Fragen zu chronischen Erkrankungen im Bewerbungsgespräch zu fürchten, denn aus rein rechtlicher Sicht – von bestimmten Ausnahmen abgesehen – sind diese in Vorstellungsgesprächen grundsätzlich nicht zulässig. Die Entscheidung liegt demnach ganz allein bei dir, ob du deinem zukünftigen Arbeitgeber von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa berichtest oder nicht.

Argumente dafür: Der offene Umgang mit der Erkrankung spricht nicht nur für deine Ehrlichkeit, sondern auch für den Beginn einer gesunden Arbeitsbeziehung. Außerdem brauchst du dir für spätere Krankheitsausfälle keine Ausreden einfallen zu lassen.

Argument dagegen: Beachte bitte, dass deine ehrliche Art auch einen negativen Einfluss auf den Bewerbungsprozess haben kann.

Konzentriere dich in Bewerbungsgesprächen vor allem auf die Fähigkeiten und Stärken, die du für den Job mitbringst.

6) Zeit für Veränderung?

Die Diagnose Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn ist für jeden Betroffenen zunächst ein Schock. Nicht nur dein Privatleben, sondern auch dein Berufsleben wird höchstwahrscheinlich von den Auswirkungen betroffen sein. Aufgrund der Auswirkungen, die eine CED mit sich bringt, kann es sein, dass du deinen bisherigen Job nicht mehr ausführen kannst oder willst. Dann ist es Zeit, über eine berufliche Veränderung oder eine Umschulung nachzudenken.

Ein Berufswechsel innerhalb des Unternehmens könnte eventuell in Frage kommen. Falls du in deinem bisherigen Beruf z. B. viel unterwegs warst, ergibt sich vielleicht die Möglichkeit, einen Job im Innendienst zu übernehmen? Auch interne Weiterbildung kann eine Möglichkeit sein, innerhalb des Unternehmens eine Neuanstellung anzustreben. Versuche mit deinem Vorgesetzten die vorhandenen Optionen abzuklären, um eine für beide Seiten passende Lösung zu finden. Ist dein bisheriger Job mit der Diagnose CED jedoch nicht mehr möglich – z. B. aufgrund ständiger Schichtdienste oder Auslandsaufenthalte – und ist ein unternehmensinterner Wechsel nicht möglich, so lässt sich ein Jobwechsel vermutlich nicht mehr aufhalten. Für den Jobwechsel oder die Umschulung macht es jedoch Sinn, dass du dich bei den entsprechenden Anlaufstellen über deine Möglichkeiten und Rechte informierst. Auch die Möglichkeit zur Wiedereingliederungsteilzeit kann für dich in gewissen Situationen eine Option darstellen. Sowohl die Website der Arbeiterkammer als auch die des Sozialministeriumservice können dir in arbeits- und sozialrechtlichen Belangen eine gute Hilfestellung sein. Informieren lohnt sich!

Aufgrund der Auswirkungen, die eine CED mit sich bringt, kann es sein, dass du deinen bisherigen Job nicht mehr ausführen kannst oder willst. Dann ist es Zeit, über eine berufliche Veränderung oder eine Umschulung nachzudenken.

7) Wenn es im Job nicht mehr geht – meine Rechte

Die Ausprägungen einer CED sind natürlich sehr individuell. Für viele CED-Betroffene wird es auch weiterhin möglich sein, einem Beruf nachzugehen, wenn auch unter gewissen Abstrichen wie beruflicher Neuorientierung oder Umschulung. Einige CED-Betroffene stehen jedoch vor der Situation, in der es nicht mehr möglich ist, weiterhin im Job zu stehen, da die Krankheit bereits zu stark vorangeschritten ist und dem täglichen Arbeitsaufwand nicht mehr nachgekommen werden kann. In solchen Situationen ist es besonders wichtig, seine Rechte und Möglichkeiten zu kennen. Der Weg durch den „Behördendschungel“ mag zwar auf den ersten Blick kompliziert und abschreckend wirken, dennoch lohnt es sich in den meisten Fällen. Grundsätzlich ist in Österreich das Sozialministeriumservice für Angelegenheiten von Menschen mit Behinderungen und/oder Benachteiligungen zuständig, die Arbeiterkammer z. B. bei arbeits- und sozialrechtlichen Fragen und die Sozialversicherungsanstalten bei Krankenversicherungs- und Pensionsversicherungsangelegenheiten.

Hier erhältst du einen Überblick über die entsprechenden Anlaufstellen in Österreich:

Der Weg durch den „Behördendschungel“ mag zwar auf den ersten Blick kompliziert und abschreckend wirken, dennoch lohnt es sich in den meisten Fällen.